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Nebenkosten

Nebenkostenabrechnung prüfen: Anleitung in acht Schritten

Prüfen Sie die Abrechnung in dieser Reihenfolge: Frist, formaler Mindestinhalt, Umlagevereinbarung im Mietvertrag, Verteilerschlüssel, einzelne Positionen, Heizkosten, Vorauszahlungen und schließlich der Vergleich mit den Vorjahren. Diese Reihenfolge spart Arbeit – scheitert die Abrechnung schon an der Frist oder der Form, erübrigt sich die Detailprüfung.

Das Wichtigste in Kürze

Was ist passiert?
Ihnen liegt eine Betriebskostenabrechnung vor, meist mit einer Nachforderung, und Sie wollen wissen, ob sie stimmt.
Was sollten Sie jetzt tun?
Die acht Prüfschritte der Reihe nach durchgehen und jede Auffälligkeit mit Seitenverweis notieren.
Welche Unterlagen sind wichtig?
Abrechnung mit Zugangsdatum, Mietvertrag, Abrechnungen der letzten zwei bis drei Jahre, Kontoauszüge zu den Vorauszahlungen.
Welcher nächste Schritt ist sinnvoll?
Bei offenen Punkten Belegeinsicht verlangen und – innerhalb von zwölf Monaten – Einwendungen erheben.

Schritt 1: Frist prüfen

Die Abrechnung muss Ihnen spätestens zwölf Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums zugegangen sein, § 556 Absatz 3 BGB (öffnet in neuem Tab). Verspätete Abrechnungen berechtigen grundsätzlich nicht mehr zur Nachforderung. Notieren Sie deshalb das Zugangsdatum und heben Sie den Umschlag auf.

Schritt 2: Formalien prüfen

Formale Mindestangaben

  • Abrechnungszeitraum eindeutig genannt und nicht länger als zwölf Monate
  • Gesamtkosten je Kostenart ausgewiesen
  • Verteilerschlüssel je Position genannt und erläutert
  • Rechenweg zu Ihrem Anteil nachvollziehbar
  • Vorauszahlungen ausgewiesen und abgezogen
  • Ergebnis eindeutig als Nachzahlung oder Guthaben bezeichnet
  • An alle Mietvertragsparteien adressiert
  • Absender ist der Vermieter oder eine bevollmächtigte Verwaltung

Schritt 3: Umlagevereinbarung im Mietvertrag

Abgerechnet werden darf nur, was vereinbart ist. Gleichen Sie jede Position der Abrechnung mit der Umlagevereinbarung im Mietvertrag ab. Positionen, die dort nicht auftauchen und auch nicht als „sonstige Betriebskosten" konkret benannt sind, sind angreifbar.

Schritt 4: Verteilerschlüssel

Übliche Verteilerschlüssel und wofür sie passen
SchlüsselTypische PositionenWorauf achten
WohnflächeGrundsteuer, Versicherung, GartenpflegeStimmt die zugrunde gelegte Fläche mit dem Mietvertrag überein?
PersonenzahlMüll, teilweise WasserWie wurde die Personenzahl ermittelt und unterjährig fortgeschrieben?
VerbrauchHeizung, Warm- und KaltwasserZählerstände nachvollziehbar? Zählernummer korrekt?
WohneinheitenAufzug, AntennenanlageWerden alle Einheiten einbezogen, auch leerstehende?

Schritt 5: Einzelne Positionen

  • Verwaltungskosten. Nicht umlagefähig. Tauchen sie unter anderem Namen auf, etwa als „Verwaltervergütung" oder „Objektbetreuung", ist das ebenfalls angreifbar.
  • Reparaturen und Instandhaltung. Nicht umlagefähig. Häufig versteckt in den Positionen Hauswart oder Wartung.
  • Hauswart. Nur der Anteil für laufende Tätigkeiten wie Reinigung oder Gartenpflege ist umlagefähig, nicht der Reparaturanteil. Die Trennung muss erkennbar sein.
  • Wartungsverträge. Reine Wartung ist umlagefähig, enthaltene Reparaturleistungen sind es nicht. Bei Vollwartungsverträgen ist ein Abzug vorzunehmen.
  • Versicherungen. Gebäude- und Haftpflichtversicherung ja; Rechtsschutz oder Mietausfallversicherung des Vermieters nein.
  • Sprünge gegenüber dem Vorjahr. Steigerungen über 20 bis 30 Prozent ohne erkennbaren Grund sind ein Anlass für Belegeinsicht.

Schritt 6: Heizkosten

Heizkostenabrechnung prüfen

  • Verbrauchsanteil zwischen 50 und 70 Prozent, § 7 HeizkostenV
  • Grundkosten nach Wohnfläche oder umbautem Raum verteilt
  • Zählerstände zu Beginn und Ende des Zeitraums ausgewiesen
  • Zählernummer stimmt mit dem Gerät in Ihrer Wohnung überein
  • Kosten für Ablesung und Gerätemiete gesondert ausgewiesen
  • Warmwasserkosten sind von den Heizkosten getrennt
  • Bei fehlender verbrauchsabhängiger Abrechnung: Kürzungsrecht von 15 % nach § 12 HeizkostenV geprüft

Schritt 7: Vorauszahlungen

Gleichen Sie die in der Abrechnung genannten Vorauszahlungen mit Ihren Kontoauszügen ab – Monat für Monat. Abweichungen entstehen häufig nach einer Mieterhöhung oder einer Anpassung der Vorauszahlungen mitten im Jahr. Auch Zeiträume mit Mietminderung sind hier fehleranfällig.

Schritt 8: Plausibilitätsvergleich

  1. Vorjahre nebeneinanderlegen

    Die letzten zwei bis drei Abrechnungen in eine Tabelle übertragen, Position für Position.

  2. Kosten je Quadratmeter berechnen

    Ihren Anteil durch Ihre Wohnfläche teilen. Das macht Jahre und Positionen vergleichbar.

  3. Auffälligkeiten markieren

    Jede Position, die deutlich springt oder erstmals auftaucht, notieren – mit Seitenzahl und Betrag.

  4. Fragenliste erstellen

    Aus den Auffälligkeiten eine nummerierte Liste machen. Sie ist die Grundlage für Belegeinsicht und Widerspruch.

Typische Fehler

  • Mit der Detailprüfung beginnen, bevor Frist und Form geprüft sind.
  • Nur den Endbetrag ansehen und die Einzelpositionen überspringen.
  • Die Wohnfläche in der Abrechnung nicht mit dem Mietvertrag abgleichen.
  • Positionen akzeptieren, weil sie in den Vorjahren auch dort standen.
  • Die Einwendungsfrist von zwölf Monaten verstreichen lassen.
  • Ohne Belegeinsicht widersprechen und dadurch pauschal argumentieren.
  • Die Nachzahlung leisten und danach erst prüfen.

Häufige Fragen

Wie lange habe ich Zeit für Einwendungen?
Zwölf Monate ab Zugang der Abrechnung, § 556 Absatz 3 BGB. Danach sind Einwendungen grundsätzlich ausgeschlossen, sofern Sie die Verspätung zu vertreten haben.
Kann ich die Nachzahlung zurückhalten, bis geprüft ist?
Solange die Belegeinsicht nicht gewährt wurde, kommt ein Zurückbehaltungsrecht in Betracht. Sicherer ist häufig die Zahlung unter ausdrücklichem Vorbehalt – so vermeiden Sie Verzug und behalten die Rückforderung offen.
Die Wohnfläche in der Abrechnung stimmt nicht.
Das ist ein häufiger und wirksamer Einwand, weil die Fläche in viele Positionen einfließt. Weisen Sie auf die Angabe im Mietvertrag hin und verlangen Sie eine korrigierte Abrechnung.
Muss der Vermieter eine korrigierte Abrechnung erstellen?
Bei einem berechtigten Einwand ja. Ob er dabei zulasten des Mieters nachbessern darf, hängt davon ab, ob die Abrechnungsfrist noch läuft.

Wann professionelle Beratung sinnvoll ist

Bei Nachforderungen von mehreren hundert Euro, bei komplexen Verteilerschlüsseln oder wenn der Vermieter Einwendungen zurückweist, ist eine fachliche Prüfung sinnvoll. Mietervereine prüfen Abrechnungen für ihre Mitglieder. Die Mieter App führt keine Prüfung Ihrer Abrechnung durch und erbringt keine Rechtsberatung.

Quellen

Veröffentlicht: Zuletzt geändert: Zuletzt inhaltlich geprüft:
Verantwortlich: Redaktion Die Mieter App

Keine individuelle Rechtsberatung. Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen wieder und ersetzt nicht die Prüfung Ihres konkreten Falls. Die Mieter App ist keine Rechtsanwaltskanzlei. Eine anwaltliche Prüfung dieses Textes hat nicht stattgefunden.

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